Bewegung bei Vorerkrankungen: Was Sie wissen sollten

Von Mouad Berrada, Arzt

Eine Vorerkrankung ist selten ein Grund, auf Bewegung zu verzichten. In den meisten Fällen ist genau das Gegenteil richtig – nur die Form muss passen.

Der häufigste Denkfehler

Viele meiner Patientinnen und Patienten denken: „Ich bin krank, also darf ich mich nicht belasten." Verständlich, aber in den meisten Fällen nicht zutreffend. Bewegung wirkt bei vielen chronischen Erkrankungen wie ein mildes, gut verträgliches Mittel – in der richtigen Dosis. Entscheidend ist nicht, ob Sie sich bewegen, sondern wie.

Bluthochdruck

Regelmäßige, moderate Bewegung senkt den Blutdruck auf natürliche Weise. Wichtig ist, beim Krafttraining nicht die Luft anzuhalten – das lässt den Blutdruck kurzzeitig stark ansteigen. Atmen Sie stattdessen beim Anstrengen ruhig aus.

Arthrose

Schonhaltung fühlt sich richtig an, verstärkt das Problem aber häufig. Gelenke brauchen Bewegung, um versorgt zu bleiben, und kräftige Muskeln rund um das Gelenk nehmen einen Teil der Last ab. Trainieren Sie im schmerzfreien Bereich: leichter Muskelkater ist normal, stechender Gelenkschmerz ein Signal zum Innehalten.

Diabetes Typ 2

Muskeln verbrauchen Zucker und machen den Körper empfindlicher für Insulin. Schon kurze, regelmäßige Einheiten wirken sich messbar auf die Blutzuckerwerte aus. Feste Trainingstage helfen mehr als lange Pausen mit gelegentlichen Ausreißern.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Nach einem Herzereignis ist die Sorge vor Überlastung verständlich – gezielte Bewegung ist aber oft Teil der Therapie. Eine einfache Faustregel: Sie sollten sich beim Training noch unterhalten können. Wenn Ihnen dafür die Luft fehlt, ist das Tempo zu hoch. Klären Sie die genaue Belastung vorher mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen.

Osteoporose

Belastung regt den Knochen an, sich zu erneuern, und starke Muskeln senken das Sturzrisiko. Wichtig sind ruhige, kontrollierte Bewegungen ohne Ruckartigkeit oder Sprünge. Gleichgewichtsübungen gehören hier genauso dazu wie Krafttraining.

Die gemeinsame Regel

Bei jeder Vorerkrankung gilt dasselbe Prinzip: langsam beginnen, die Belastung vorsichtig steigern, auf den Körper hören. Leichte Anstrengung ist erwünscht, stechender oder ungewöhnlicher Schmerz nicht.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Sprechen Sie vor einem neuen Trainingsprogramm mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unkontrolliertem Bluthochdruck oder nach einer Operation.

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